Praxis · Grillen

Wildfleisch grillen — was bei Reh, Hirsch & Wildschwein zählt

Wildbret auf dem Rost ist eine Empfehlung — wenn man die Spielregeln kennt. Welche Stücke sich eignen, wie heiß es werden darf und warum die Ruhezeit so wichtig ist.

Wildfleisch zugeschnitten — fein, mager, dunkel
Wildbret auf dem Grill — Rückenstücke und Bratwurst aus Thüringer Revieren.

Welche Wildstücke gehören auf den Rost?

  • Reh: Rückenfilet, Rehrücken am Knochen, kurz gebratene Medaillons aus der Keule.
  • Hirsch: Hirschrücken-Filet, Hirschsteaks aus der Oberschale, Hirschmedaillons.
  • Wildschwein: Lachsbraten, Rückensteaks, Nackensteaks — gut zum Grillen, weil etwas fettreicher und damit saftiger.
  • Wildwurst: Wildbratwurst und Wildknacker — die unkomplizierten Klassiker. Tipps speziell dazu auf Wildbratwurst grillen.

Vor dem Grillen: vorbereiten

  1. Auftauen. Wildbret kommt in der Regel tiefgekühlt — schonend im Kühlschrank auftauen, siehe Wildfleisch einfrieren & auftauen.
  2. Auf Zimmertemperatur kommen lassen. 30–45 Minuten vor dem Grillen aus dem Kühlschrank nehmen, abtupfen.
  3. Schlanke Marinade. Olivenöl, etwas Knoblauch, Wacholder, Lorbeer, Pfeffer — gerne ein paar Stunden vorher einreiben, salzen erst kurz vor dem Auflegen.

Hitze und Methode

Wildfleisch ist mager und bestraft hohe Temperaturen mit Trockenheit. Die Sear & Move-Methode hat sich bewährt: kurz scharf angrillen — zwei Zonen am Grill helfen — und dann in die indirekte Zone ziehen, bis die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist. Welche Werte als Daumenwerte gelten, finden Sie im Detail auf Wildfleisch — Kerntemperatur.

Wildschwein: Sonderfall „durchgaren“

Wildschwein muss in Deutschland aufgrund der Trichinen-Untersuchung beim Verzehr stets durchgegart werden. Auf dem Grill bedeutet das: Lieber etwas länger in der indirekten Zone, bis das Stück sicher durchgegart ist. Geschmacklich gewinnen Lachs- und Nackenstücke vom Wildschwein deutlich, wenn sie auf dem Holzkohlegrill mit etwas Wacholder-Buchenholz langsam ihre Aromatik aufbauen.

Ruhen lassen — die unterschätzte Disziplin

Vom Rost sofort aufschneiden ist die häufigste Ursache für trockenes Wildbret. Lassen Sie das Stück nach dem Grillen 5–10 Minuten in Alufolie locker eingepackt ruhen. So verteilen sich die Säfte, das Stück bleibt saftig und schneidet sich besser.

Beilagen, die zum Wild passen

  • Geröstete Wurzelgemüse — Pastinake, Möhre, rote Beete
  • Pilze in Butter geschwenkt
  • Preiselbeeren oder Birne mit Wacholderkompott
  • Kartoffel- oder Selleriepüree
  • Spätzle, Knödel oder kräftiges Bauernbrot

Häufige Fragen

Welches Wildfleisch eignet sich zum Grillen?

Magere Edelteile wie Reh- und Hirschrücken, Filet sowie kurzfaserige Steaks aus Keule eignen sich gut für den Grill. Wildschweinrücken oder Nacken sind ebenfalls grilltauglich, brauchen aber etwas mehr Pflege wegen der Trichinen-Untersuchungspflicht und der Festigkeit. Wildbratwurst gehört in jedem Fall dazu.

Direkte oder indirekte Hitze?

Magere Wildstücke vertragen kein scharfes Durchgrillen. Das Standardvorgehen: kurz scharf bei direkter Hitze angrillen für die Röstaromen, dann auf indirekte Zone ziehen und dort auf gewünschte Kerntemperatur ziehen lassen.

Sollte ich Wildfleisch vor dem Grillen marinieren?

Frisches Wildbret braucht keine schwere Beize wie früher übliches gehängtes Wild. Eine schlanke Marinade mit Öl, Wacholder, Lorbeer, Knoblauch und etwas Zitrusabrieb passt gut, ohne den Eigengeschmack zu überdecken.

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